– Das Bestimmt­sein ist bequem, sicher und lädt einem keine Ver­ant­wor­tung auf – sprach der Meis­ter. – Um die Frei­heit dage­gen muss man kämp­fen, es liegt viel Unge­wiss­heit in ihr, und ja, sie bür­det dem Men­schen Ver­ant­wor­tung auf.

– Das glau­be ich gern, doch die Bequem­lich­keit über­las­sen wir den Alten! – erwi­der­te der Jün­ge­re, der bei aller Keck­heit dem Meis­ter eigent­lich Ach­tung ent­ge­gen­brach­te. – Woran glaubst du, Meis­ter, an die Frei­heit oder an die Deter­mi­niert­heit?

– Diese Frage lass mich dir stel­len – kon­ter­te der Meis­ter ele­gant. – Wel­che nennst du dein Eigen?

– Die Frei­heit! – platz­te der Jüng­ling ohne Nach­den­ken her­aus. – In Knecht­schaft kann man nicht leben.

– Gut, ich nehme deine Wahl an, doch lass mich deine Auf­merk­sam­keit auf die Vor­zü­ge len­ken, die ich genannt habe. Bequem – denn du musst nicht dar­über nach­den­ken, was du eigent­lich zu tun hät­test; sicher, denn es bie­tet eine fer­tig ein­ge­rich­te­te, ver­trau­te Welt; und, geben wir es zu, die meis­ten Men­schen ertra­gen keine Ver­ant­wor­tung.

– Das ist so typisch für stump­fe Men­schen, aber ich möch­te anders leben.

– Glau­be nicht, dass die Bequem­lich­keit nur etwas für Dumme ist oder dass das Bestimmt­sein nur schlecht sein kann. Gehor­sa­mes Glied eines guten Sys­tems zu sein, ist nichts Schlech­tes.

– Ach was, jede Ein­glie­de­rung ist eine Schran­ke! Wo bleibt da der Höhen­flug?

– Frei­lich, auch ich habe so gedacht… das Urbe­dürf­nis des Men­schen ist die Frei­heit.

– Ich habe nur eine Angst – sagte der Jüng­ling, wor­auf der Meis­ter die Augen zusam­men­kniff: „Hätte ich doch nur eine ein­zi­ge Angst…“ – das Karma! Das Karma bin­det einen trotz­dem! Wie könn­te man sich vom Zwang des Kar­mas befrei­en?

– Ein Schlupf­loch! – ant­wor­te­te der Meis­ter. – Ein Schlupf­loch aus dem Gesetz des Kar­mas, mehr braucht es nicht…

– Dann ist der Zwang des Kar­mas dei­ner Mei­nung nach doch nicht ewig gül­tig?

– Nein, das ist er nicht. Doch das Karma bestimmt sehr lange alles. Nicht als Stra­fe, son­dern als vor­ge­zeich­ne­te Bahn, die durch­lau­fen wer­den muss.

– In wel­chem Sinn glaubst du dann an die Frei­heit? Als grund­sätz­li­che Mög­lich­keit ja, an die prak­ti­sche Frei­heit aber nicht mehr?

– Das wahr­haft Inter­es­san­te ist die Befrei­ung aus der Bin­dung. Das Bestimmt­sein ist zwar stark, und doch ist Befrei­ung mög­lich. Die Karma-Schlei­fe muss durch­bro­chen wer­den, das ist wich­tig! Gib nicht das wei­ter, was du bekom­men hast – vor allem, wenn du womög­lich auch Schlech­tes bekom­men hast.

– Ist das viel­leicht wie der Zer­fall der Matrix?

– Viel­leicht so… ähn­lich. Ich würde eher sagen, Flucht­ge­schwin­dig­keit. Um die Anzie­hungs­kraft eines Pla­ne­ten hin­ter dir zu las­sen, musst du die Flucht­ge­schwin­dig­keit errei­chen.

Es ist unmög­lich, sich von einem Ein­fluss zu befrei­en, ohne dass er [der Mensch] unter einen ande­ren gerät. Alles, die ganze Arbeit an sich selbst besteht darin, dass der Mensch den Ein­fluss wählt, unter den er gera­ten will, und tat­säch­lich unter die­sen Ein­fluss gerät. Darum ist es not­wen­dig, im Vor­aus zu wis­sen, wel­cher Ein­fluss der nütz­li­che­re ist. (Ous­pen­sky)

– Wie macht man das? – leuch­te­te der Blick des Jüng­lings auf.

– Der erste Schritt ist das Erken­nen dei­ner Schran­ken. Das Bestimmt­sein ist ein Medi­um, das den Men­schen in einer unbe­merk­ten, unbe­wusst blei­ben­den Gebun­den­heit hält. Darum muss man diese Gebun­den­heit zuerst erken­nen. Dann muss man jenen Ort aus­fin­dig machen, von dem man, ein­mal dort ange­langt, nie mehr zurück­keh­ren muss. Die Gebun­den­heit lässt sich nur mit einer Kraft lösen, die jen­seits der Gebun­den­heit geschöpft wird. Nicht Zügel­lo­sig­keit und „Frei­heit“ braucht es, son­dern Frei­heit und Leben…

– Ja, Meis­ter…